Ökumenischer Minderheiten-Knigge
Wir wollen aus dem Evangelium Jesu Christi gemeinsam leben und handeln
In der ökumenischen Bewegung begegnen sich
kleinere und größere Kirchen. Dabei treten gelegentlich Schwierigkeiten auf:
dass kleinere Gemeinden den berechtigten oder vermeintlichen Eindruck erhalten,
von der jeweiligen Mehrheit nicht ernst genommen zu werden. Eine solche
Situation bringt Missverständnisse mit sich und behindert das gemeinsame
Zeugnis des Glaubens. Deshalb regt die Arbeitsgemeinschaft
Christlicher Kirchen an für das Zusammenleben von kleineren und größeren
Gemeinden darauf zu achten, dass wir:
- uns gegenseitig zur Kenntnis nehmen.
- nicht unsere Ängste, der eigenen Tradition
entwurzelt zu werden, zum Ausgangspunkt unserer gegenseitigen Beziehungen zu
machen: als Mehrheit sollen wir nicht fürchten, den kleineren Partner
aufzuwerten und eine "Konkurrenz heranzuzüchten". Als Minderheit
sollen wir nicht fürchten, an die Wand gedrückt zu werden.
- in partnerschaftlichem Geist miteinander
umgehen. Partnerschaft im Geist des Evangeliums Jesu Christi kann nicht von
Zahlenverhältnissen abhängen.
- einander auf der Straße grüßen und Zeit
haben für ein kleines Gespräch.
- uns gegenseitig einladen und besuchen.
- nicht ständig kalkulieren und nachrechnen, ob
Ausgewogenheit besteht - sonst ist Ärger unvermeidlich.
- die Minderheitenrolle nicht als Alibi
benutzen, Verantwortung, Arbeit und Kosten allein der Mehrheit zu überlassen.
- die Rolle der Mehrheit nicht dazu benutzen,
die Minderheit zur Untätigkeit zu verurteilen. Um Zurücksetzungen zu
vermeiden, empfiehlt es sich in größeren Städten, von den Gemeinden der
großen Kirchen zu denen der kleineren Partnerschaftsbeziehungen aufzubauen
und für eine Zuordnung und Gruppierung Sorge zu tragen. Bei ökumenischen
Vorhaben am Ort sollen die Minoritätskirchen angefragt werden, ob sie zur
Kooperation bereit sind und mit ihren Kräften und Mitteln die Aktion
mittragen wollen.
- Veranstaltungen und Besprechungen auch in Räumen
der kleineren Gemeinden halten und dadurch allen die Möglichkeit geben,
Gastfreundschaft zu gewähren.
- einander nicht mit Papierfluten überschwemmen,
aber durch Weitergabe von Gemeindebriefen u.a. auf dem laufenden halten. Die
gegenseitige Information über die jeweiligen Kirchengemeinden, deren
Glaubensleben und Frömmigkeitsformen ist wichtig. Im Gegensatz zu den großen
Konfessionen sind die kleinen Kirchen noch weithin unbekannt und werden
bisweilen sogar immer noch als "Sekte" verdächtigt.
- nicht aus Profilsucht oder Hochmut uns
distanzieren von besonderen konfessionell geprägten Lebensformen und
Traditionen, sondern sie als Chance zum gegenseitigen Kennenlernen und
Miteinander erkennen.
Der Ökumenischer
Minderheiten Knigge
Qu: Alt-Katholisch